„Wozu fördern wir die Superschlauen?“

Genau diesem Vorurteil begegnet man in der Begabungsförderung oft. Es ist noch zu wenig bekannt, was Begabungsförderung ist, worin das Ziel liegt und was Begabung überhaupt heißt.

Begabungsförderung ist kein Eliteprogramm sondern betrifft jeden. Jeder Mensch ist begabt und soll seinen Begabungen entsprechend gefördert werden. Solange unter dem Test einer Schülerin steht „3 Fehler“ und nicht „17 Richtige“, solange läuft in unseren Schulen etwas falsch. Der Fokus richtet sich auf die Schwächen und Fehler, nicht auf die Stärken und Begabungen.

Wer hat mich auf dieses Thema aufmerksam gemacht?
Nun, das war niemand geringerer als der Quantenphysiker Anton Zeilinger persönlich. Er hat mich im Jahr 2010 als Geschäftsführerin an seine Akademie in Traunkirchen geholt. Und ich habe kurzerhand damit begonnen, spannende Seminare für Schüler und Workshops für Studierende zu konzipieren. Das Ziel lag darin, die bereits bestehende Begeisterung für Technik und Naturwissenschaften der jungen Menschen noch zu stärken.

Was habe ich dort erlebt?
Mädchen, die sich schämten ihrem Umfeld zu erzählen, dass sie an einem Talenteprogramm teilnahmen. Buben, die aufgrund ihrer besonderen Begabung von ihrem Umfeld gemobbt wurden. Eltern die verzweifelt waren, weil ihr Kind im Schulsystem nicht ernst genommen worden ist. Hochbegabte Kinder, die die Schule verweigert haben, die völlig am System und somit am Leben zu scheitern drohten. Genau deswegen ist es wo wichtig, den Blick auf die Talente unserer Kinder zu richten. Wir brechen sonst mit Gewalt ihre Entwicklung, wir bremsen ihre Entfaltung und wir verhindern gleichzeitig, dass in unserem Land Menschen zu ihrer persönlichen Größe heranwachsen können.
Ich durfte aber auch jene Lehrkräfte kennen lernen, die unser Schulsystem aufrechterhalten: Sie kennen kein Wochenende, sind immer erreichbar und setzen sich über die Maßen für ihre Schüler ein. Sie brennen für ihr Fach, stecken mit ihrer Begeisterung unsere Kinder an und laufen dabei selbst Gefahr, ihre persönliche Grenze des Machbaren zu überschreiten.

Das war mein Weg zum Thema „Begabungsförderung“. Durch meinen Beruf als Geschäftsführerin einer Akademie von Anton Zeilinger. Ich habe mich im Laufe der Zeit auch wissenschaftlich in die Materie vertieft und ein Masterstudium für Begabungsforschung und Begabungsförderung in Wien begonnen. Ja, gebe zu, ich bin auch selbst ein Bildungsjunkie – das war mein drittes und sicher nicht letztes Studium. Aber sicher jenes, das mich persönlich am stärksten bewegt hat. Weil es mir gezeigt hat, wie extrem verantwortungsvoll der Umgang mit den Heranwachsenden ist. Wie sehr wir Schule und Lernen anders denken könnten. Und wie zentral vor allem eine ganz einfache aber alles entscheidende Sache ist: Unsere Haltung gegenüber den Kindern und ihren Stärken.

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